Unser Selbstverständnis

1. FeuerQualle – feministisch*queere Projekte für alle?

feministisch, weil das Patriarchat jede Menge sexistische Kacksch**** hervorbringt, also Unterdrückung und Benachteiligung aufgrund des Geschlechts bedingt. Das Patriarchat und alle anderen Herrschaftsverhältnisse und Diskriminierungsformen müssen abgeschafft werden, um zu einer gerechteren Gesellschaft für alle beizutragen.

queer, weil viel zu viele Menschen immer noch eine rein heteronormative und binäre Sichtweise reproduzieren. Deshalb fordern und kämpfen wir für die Anerkennung und Wertschätzung der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt aller Menschen.

für alle, weil wir miteinander und nicht gegeneinander kämpfen wollen und uns gleichzeitig für verschiedene safer spaces exlizit für FLINTA* und Menschen, die von Marginalisierung betroffen sind, einsetzen. Übergriffiges oder diskriminierendes Verhalten wird von uns nicht toleriert. Gleichzeitig wollen wir versuchen einen transformativen Umgang damit zu schaffen.

2. Wer sind wir?

Unser FeuerQuallen Kollektiv gibt es seit 2020 und wir organisieren uns überregional. Dabei eint uns nicht nur der Wunsch nach einer herrschafts- und diskriminierungsfreieren Welt für alle, sondern auch unsere Freund*innenschaft.

Wir sind aufgrund unserer gesellschaftlichen Positionierung, als weiß, cis, able-bodied, jung, mit akademischem Bildungshintergrund, mit deutschem Pass, aus ermöglichenden Familienverhältnissen stammend, stark privilegiert. Gleichzeitig sind wir alle von verschiedenen Formen von Sexismus betroffen und haben teilweise sexualisierte Gewalt erlebt. Teilweise positionieren wir uns als queer.

Wir wollen uns unserer Privilegien bewusst sein, uns immer wieder selbst hinterfragen und offen für Kritik bleiben. Wir wollen Wege finden, unsere vorhandenen Privilegien zu nutzen, um solidarisch zu sein und uns möglichst nach den Bedürfnissen von Personen mit Diskriminierungserfahrungen zu richten.

3. Was wollen wir?

Wir wollen dazu beitragen die Welt zu einem gerechteren und lebenswerteren Ort für alle Menschen zu machen. Wir sind der Überzeugung, dass dafür sexistische, rassistische, antisemitische, ableistische, bodyistische, klassistische und alle anderen diskriminierenden (Denk)strukturen abgebaut und überwunden werden müssen. Wie das gehen soll? Wir sind dabei das gemeinsam herauszufinden und dafür Strategien zu entwickeln, auszuprobieren, zu scheitern und es nochmal zu versuchen.

4. Was machen wir?

Mit unserer Projektvielfalt, von Veranstaltungen über Workshops bis hin zu Aktionen, schaffen wir Räume, in denen sich Menschen gegenseitig inspirieren, bestärken und von- und miteinander lernen können. Wir wollen alle dazu ermutigen, gemeinsam Verantwortung für eine vielfaltsbejahende und schönere Welt zu übernehmen und Wandel über unsere Projekte hinaus in die Gesellschaft zu tragen. Unsere Formate sind für alle und teilweise explizit für FLINTA*. Für Menschen mit viel Hintergrundwissen und für Menschen, die in queerfeministische Themen erst eintauchen wollen.

5. Wie wollen wir miteinander sein?

Als FeuerQuallen Kollektiv wollen wir achtsam, liebevoll und bedürfnisorientiert miteinander umgehen. Wir bestärken und unterstützen uns gegenseitig und erfahren durch unser Wirken in der FeuerQualle Selbstwirksamkeit, wodurch wir uns stark und handlungsfähig fühlen. Wir treffen Entscheidungen im Konsens, ermutigen uns gegenseitig neue Aufgaben zu übernehmen, Fragen zu stellen und dürfen Fehler machen. Wertschätzung, Dankbarkeit, Spaß und Feiern des Prozesses gehören für uns dazu.

Da die jetzige patriarchale und kapitalistische Welt von Konkurrenz, Ausschluss, Machtgefällen und Zwang geprägt ist, wollen wir dem entgegen Strukturen aufbauen, die unseren Vorstellungen einer gerechteren Welt entsprechen. Im Zentrum unseres Handelns stehen deshalb die folgenden Werte:

Wir setzen uns für eine Gesellschaft und ein Miteinander ein, in der alle Menschen gleichwertig sind. Daher wollen wir Menschen dabei unterstützen sich empowert zu fühlen, um sich aus Abhängigkeits- und Herrschaftsverhältnissen zu befreien und für ihre Rechte und Bedürfnisse einzutreten.

Personen können von mehreren Diskriminierungsformen gleichzeitig betroffen sein, welche sich wechselwirkend verstärken und nicht einfach als addierbar betrachtet werden können. Eine schwarze Frau kann z.B. viel mehr Schwierigkeiten bei der Arbeitsplatzsuche haben, als eine weiße Frau. Wir haben den Anspruch an uns selbst diese Intersektionalität in unserem Umfeld und auf unseren Veranstaltungen sichtbarer zu machen, sie nicht zu reproduzieren und solidarisch mit Betroffenen zu sein.

Wir wollen uns in unseren Einstellungen und Verhaltensweisen hinterfragen, um keine Diskriminierung zu reproduzieren und dieser aktiv entgegenzuwirken. Uns von herabsetzenden, gesellschaftlich verbreiteten Denkmustern zu befreien und diese zu bekämpfen, betrachten wir als stetig notwendigen Prozess.

Herrschaftsmechanismen in unserer Gesellschaft sind unter anderem für Abhängigkeit, Unterdrückung, Diskriminierung, Marginalisierung und Gewalt verantwortlich und müssen überwunden werden. Wir wissen selbst noch nicht, wo wir am besten ansetzen können und sehen es momentan als ersten wichtigen Schritt an, Herrschaftsverhältnisse sichtbarer zu machen.

Wir wollen unser eigenes Denken und Handeln immer wieder reflektieren und kritisch hinterfragen, besonders hinsichtlich unserer Privilegien und gesellschaftlichen Positionierung. Wir wollen stets offen bleiben für Kritik und sind dankbar für Impulse von Außen.

Hierarchien existieren (fast) überall und können schnell auch in eigenen Organisationsstrukturen reproduziert werden. Diese umfassen auch Wissens- und Fähigkeitshierarchien, denen wir aktiv entgegenwirken wollen, damit alle gleichsam teilnehmen und teilhaben können.

Es ist uns wichtig, dass Menschen ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entsprechend leben, handeln und teilhaben können. Wir wollen nicht, dass Menschen aufgrund ihrer Leistungs- und Zahlungsfähigkeit bewertet oder ausgeschlossen werden. Daher ist unter anderem die Teilhabe an unseren Veranstaltungen und Projekten nicht an einen festen Geldbetrag oder das Erbringen einer Leistung gekoppelt.

Dieses Selbstverständnis verstehen wir nicht als Ergebnis eines abgeschlossenen Prozesses. Entsprechend unserer Lernprozesse und sich weiterentwickelnder queerfeministischer Diskurse werden wir unser Selbstverständnis stetig weiter denken und anpassen.

(Aktueller Stand: März 2021)

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